Kindheit und Jugend zwischen Realität und Virtualität

Vortrag von Uwe Buermann, 19.11.2009

So lautete der Titel des Vortrags von Uwe Buermann am letzten Donnerstag. Herr Buermann ist Oberstufen- Waldorflehrer für Mathematik und Informatik in Kiel; zur Zeit schreibt er seine Doktorarbeit. In seinem kernigen und von Humor getragenen Vortrag hat er uns unsere Zeitgenossenschaft im Medienzeitalter durch eine Fülle aktueller Informationen verdeutlicht.
Auf Wunsch einiger Eltern, die nicht dabei sein konnten, bringt der Dienstagsbrief eine ausführliche Zusammenfassung, wegen der Länge in Fortsetzung.

Als Mitbegründer einer Initiative zur „Pflege der Sinnes- und Medienökologie“ hat er gleich zu Anfang festgestellt „Wir leben in einem Medienzeitalter, und das ist gut so!“. Und später: „Das Internet ist das Medium des Bewusstseinsseelenzeitalters, das Instrument der real existierenden Globalisierung. Es stellt mit all´ seinen in Bergen von Müll verborgenen Schätzen einen Spiegel der Menschheit dar. Uns steht es frei diese Schätze zu vermehren.“

Sollte die Eltern-Nachfrage ergeben, dass ihr Kind bereits mit dem Müll vertraut ist („Mit jedem Mouseclick kann es geschehen“), lautet der Experten-Rat:“Gehen Sie so lange joggen oder Holz hacken, bis Sie v e r n ü n f t i g, hilfreich und ohne Schuldzuweisungen mit ihrem Kind sprechen können.“ Es geht hier um Hardcore- Pornos und die Dokumentation von brutalen Straftaten („happy slappies“), den Missbrauch des Schüler- VZ durch Pädophile. Das alles steht in einem juristisch und technisch noch vollkommen ungeschützten Raum. Ein „Password“ zum Schutz persönlicher Bilder und Daten kann mit Leichtigkeit unterlaufen werden. Mit vollem Namen im Netz dokumentierte Jugendsünden können noch in vielen Jahren bei einer Bewerbung hinderlich sein.

Während durchschnittliche Eltern froh sind, wenn sie es schaffen, mit ihrem neu erworbenen Handy Telefonate zu führen und sich für medienkompetent halten, wenn es ihnen dann auch noch gelingt, eine SMS zu senden und die Antwort zu empfangen, entgehen ihnen meistens die vielfältigen anderen Funktionen, über die die neue Gerätegeneration verfügt und die die Kinder sofort finden: Fotofunktion, Bildtelefon (!), teilweiser oder voller Zugang ins Internet. Mit dem Internet gehen die Jugendlichen grundsätzlich anders um als die Erwachsenen - nämlich nicht am Lesen orientiert, sondern über „Links“ von Bild zu Video zu Bild... und landen ruck- zuck auf fragwürdigen Seiten, die zu finden Eltern gar keinen Suchbegriff wüssten. Ein konstruktiver Hinweis: Als erstes Handy für ihr Kind können Eltern durchaus - ohne das Kind! – ein schickes so genanntes „Seniorenhandy“ erwerben, nur mit Telefon- und SMS – Funktion!

Reinhard Simmerling